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Kurze Geschichte von Religion und Weltanschauung




Frühe und östliche Weltanschauungen

Vor 50 000 Jahren kam der homo sapiens nach Australien. Diese Aborigines blieben bis zum Eintreffen der Europäer isoliert von der übrigen Menschheit, so dass man annehmen kann, dass ihre Vorstellungen, die sogenannte Traumzeit den ersten mythischen Vorstellungen der Menschen sehr nahe kommt. Sie kannten keine Götter, die Traumzeit verbindet im Wesentlichen uralte Überlieferung und spätere Ereignisse mit der jeweiligen Landschaft, die aber grundsätzlich als immerwährend angesehen wird. In der übrigen Menschheit entwickelte sich irgendwann die Anschauung, die gesamte Natur sei belebt, und Schamanen versuchten, sich mit Drogen und Riten in bestimmte Tiere zu transformieren. Erst später entstanden daraus die unterschiedlichen regionalen und ethnischen Götter, die meist ihre Herkunft aus Tiergestalten erkennen lassen. Die älteste Zeugnisse stammen aus der Archäologie Mesopotamiens und Ägyptens. Riten und Opfer in bestimmten Kultstätten sollten die Götter den Menschen geneigt machen und sie vor schlimmen Ereignissen schützen. In den Veden des frühen Hinduismus finden sich die gleichen Vorstellungen.

Vor etwa 2800 Jahren entstand in Indien die Lehre von der Reinkarnation oder Seelenwanderung. Die 'Seele' wandert nach dem Tod eines Menschen in einen Neugeborenen oder auch in ein neugeborenes Tier. Vor etwa 2500 Jahren lehrte Buddha, dass dieser unerwünschte Kreislauf ein Ende im Nirwana finden könnte. Der Buddhismus hat sich in weiten Teilen Asiens ausgebreitet und existiert meist friedlich neben anderen Weltanschauungen wie z. B. Konfuzianismus oder Taoismus in China. Gott oder Götter spielen im östlichen Asien nur Nebenrollen.

Während sich der Mensch in nicht-monotheistischen Religionen eher als Teil der Natur und Tierwelt fühlt, sieht er sich in den drei großen monotheistischen Religionen als Krone der Schöpfung und Ebenbild Gottes mit dem Auftrag, sich die Natur untertan zu machen.



Monotheismus

Der älteste Monotheismus geht auf Zarathustra (Zoroaster) zurück, der wahrscheinlich vor mehr als dreieinhalb Tausend Jahren im Osten des iranischen Hochlandes seine Lehre in der frühen indoarischen Sprache Avesta formulierte. Als Schöpfer der Welt und einziger Gott gilt Ahura Mazda, dem aber weder Tempel gebaut noch Opfer gebracht wurden, weil er in seinem Wirken nicht zu beeinflussen war. Die Lehre Zarathustras blieb zwar auf das iranische Hochland beschränkt, hat aber Babylonier, Semiten unt Griechen beeinflusst. In Indien und im fernen Osten gibt es dagegen keine Spuren eines frühen Monotheismus.

In Ugarit wurden Keilschrifttafeln mit semitischen Texten aus der Zeit vor 3400 Jahren gefunden, in denen eine Gottheit El (אל) als höchster Gott, als "Schöpfer der Schöpfung" und "Vater der Menschheit" bezeichnet wird. In frühen semitischen Sprachen ist El auch die allgemeine Bezeichnung für einen Gott, meist mit Zusätzen wie 'Gott Abrahams', 'Gott Eurer Väter' usw. Etwas später versuchte Pharao Echnaton die vielfältige Götterwelt Ägyptens durch einen Monotheismus zu ersetzen. Er erhob die Sonne als Quelle allen Lebens zur höchsten und möglichst einzigen Gottheit Aton. Spätere Pharaonen kehrten zwar wieder zurück zu den alten Göttern Ägyptens und zerstörten so weit wie möglich alle Inschriften aus der Zeit Echnatons, aber die Konstruktion eines obersten Gottes als Quell allen Lebens blieb zweifellos im Gedächtnis der Menschen.

Etwa vor 3200 Jahren musste der Ägypter Moses fliehen, weil er einen Mann getötet hatte. In der Wüste hörte Moses die Stimme einer Person, die erklärte, sie sei der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs und ihr Name sei JHWH (יהדה). Moses solle zu den Nachkommen von Jakob, genannt Israel, gehen und ihnen sagen, JHWH, der Gott ihrer Väter werde sie nach Kanaan führen. JHWH fordert von seinem Volk: "Du sollst neben mir keine anderen Götter haben!" Er will der einzige Gott Israels sein, die Existenz anderer Götter wird aber nicht bestritten.

Der römisch-jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus schrieb im 9.Jahrzent: "... dass zu der Zeit ein Mann Jeschua einen guten Lebenswandel aufwies und als tugendhaft bekannt war und viele Leute von den Juden und von anderen Völkern als Jünger hatte. Pilatus hatte ihn zur Kreuzigung und zum Tode verurteilt, aber diejenigen, die seine Jünger geworden waren, gaben seine Lehre nicht auf ...". So ähnlich lautete der ursprüngliche Text des nichtchristlichen Flavius Josephus, der später beim Kopieren mit christlichen Zusätzen verfälscht wurde. Der Text belegt, dass Jesus gelebt hat und hingerichtet wurde zur Zeit, als Pontius Pilatus in Judäa Statthalter des Kaisers Tiberius war (26 bis 36). Mit der 'frohen Botschaft' von der Auferstehung des gekreuzigten Christus gründeten seine Jünger das Christentum mit einer neuen, von Christus begründeten Ethik. Neu war auch die Auferstehung der Toten, die ins Paradis eingehen, wenn sie zu Lebzeiten gläubig waren und ihr Handeln der christlichen Ethik entsprach. Andernfalls würden sie zur ewigen Verdammmnis verurteilt.

In der weiteren Kaiserzeit erduldeten die Christen zahlreiche Verfolgungen. Dabei wurden viele getötet, wenn sie ihre christliche Überzeugung nicht aufgeben wollten. Schießlich waren sie im 4. Jarhundert so wichtig für Kaiser Constantin I, dass er bei ihrem Streit um die Natur Christi eingreifen musste, um die Einheit des Reiches zu bewahren. Deshalb berief der heidnische Sonnenanbeter Constantin ein Konzil ein nach Nicäa und wurde so zum Mitbegründer des Glaubensbekenntnisses des dreifaltigen Monotheismus. Trotz der Beschlüsse dieses Konzils blieben die Arianer, die Christus nicht als göttlich ansahen, noch lange Zeit ein bedeutender Zweig der Christenheit. Zum Ende der Antike waren das oströmische Reich und die westeuropäischen Königreiche der Germanen christlich. Weit verstreut gab es überall jüdische Gemeinden, deren bedeutendste in Babylon im Großreich der Sassaniden lag, in dem fast zu allen Zeiten alle Religionen geduldet wurden.

Im 7. Jahrhundert verehrten die arabischen Stämme einige hundert Götter. In Mekka wurde als Hauptgott neben einigen anderen Göttern der altsemitische Gott El unter dem Namen Allah verehrt. Es gab auf der arabischen Halbinsel auch einige jüdische Stämme, deren Monotheismus für manche arabische 'Hanife' zum Vorbild wurde. Mohamed, geboren etwa um 570, wuchs in Mekka als Waisenkind auf, hütete die Schafe seiner Sippe und begleitete später Handelskaravanen, die ihn bis nach Syrien führten, also ins damals oströmischen Reich. Bei diesen Reisen lernte er den Glauben von Juden und Christen kennen, hörte vom allmächtigen einzigen Gott und dessen Propheten. Mit etwa 30 Jahren heiratete Mohamed die vermögenden Witwe Chadidscha und kam so zu Ansehen und finanzieller Sicherheit. Wie im heidnischen Mekka üblich zog er sich jedes Jahr einmal zur Meditation und Besinnung in die Einsamkeit des Berges Hira zurück. Im Alter von 40 Jaren erlitt er nach einem schwierigen Anstieg auf den Berg einen Schwächeanfall und rettete sich in den Schatten einer Höhle. Dort meinte er, Stimmen zu hören. Ein paar Monate später war er kurz davor, sich von diesem Berg hinunter in den Tod zu stürzen. Seine Verwirrtheit machte seiner Frau und seinen Verwandten große Sorgen. Als sich sein Zustand dann stabilisiert hatte, begann er im Kreise seiner Familie Verse zu rezitieren, die ihm von Allah offenbart worden seien.

Jahre später trat er mit seinen Rezitationen an die Öffentlixkeit und seine Anhängerschaft wuchs über den Familienkreis hinaus. Gleichzeitig erntete er aber auch Spott und Häme und als er schließlich den herrschenden Polytheismus angriff, wurde er bedroht. Es gelang Mohamed, mit der Stadt Yathrib - später Medina genannt - einen Vertrag zu schließen, der ihm und seinen Anhängern erlaubte, dorthin umzusiedeln. Nach dem Umzug im Jahre 622 waren Mohamed und seine Anhänger eine anerkannte Gemeinschaft in Yathrib und diese Umma der Muslime wuchs weiter. Angehörige dreier jüdischer Stämme, die seit dem Jahre 70 in Yathrib lebten, traten nicht der Umma bei. Zwei dieser Stämme, die den Muslimen ablehnend gegenüber standen, konnte Mohamed bald aus Yathrib vertreiben. Gegen die Karavanen der Mekkaner, die auf irem Veg nach Norden durch das Gebiet von Yathrib zogen, startete Mohamed Raubzüge. Das führte zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Mekkanern, in denen sich schließlich die Muslime behaupteten (Grabenschlacht 627).

Mit diesem Erfolg war Mohamed in Yathrib zu einem mächtigen Kriegsherrn aufgestiegen. Er nutzte diese Macht, indem er den letzten jüdischen Stamm in Yathrib, die Banu Quraiza, die sich immer neutral verhalten hatten, belagerte bis sie kapitulierten. Die Männer, zwischen 600 bis 900 an der Zahl, ließ er köpfen und die Frauen und Kinder versklaven. Eine der erbeuteten Frauen machte Mohamed zu seiner Konkubine. Insgesamt heiratete Mohamed neun Frauen, die jüngste war bei der Heirat neun Jare alt. Mohamed hat rund sechzig Kriege geführt, 630 eroberte er Mekka und brachte schließlich die gesamte arabische Halbinsel unter seine Kontrolle. Durch die Einigung der arabischen Stämme im Islam entstand ein völlig neuer und unbekannter Feind für die bis dahin vorherrschenden Mächte Ostrom und das Sassanidenreich, die nach langwierigen Kriegen gegen einander erschöpft waren. So konnten die muslimischen Araber in kurzer Zeit das Sassanidenreich und weite Teile Ostroms erobern und islamisieren.

Mohameds Rezitationen wurden teilweise schon zu seinen Lebzeiten, teilweise auch später aufgeschrieben. Uthman, der dritte Kalif (644 bis 656), ließ eine offizielle Sammlung, den Koran, herstellen und Variationen, die nicht glaubwürdig erschienen, verbrennen. Der Koran gilt als unveränderbares Wort Allahs und Mohammed als der letzte in der Reihe der biblischen Propheten, die nach der Lehre des Korans ebenfalls das Wort Allahs verkündet haben. Die von Mohamed ursprünglich gewünschte enge Beziehung zum Gott der Bibel kommt auch darin zum Ausdruck, dass die Gläubigen anfangs in Richtung Jerusalem gebetet haben. Widersprüche zwischen Bibel und entsprechenden Koranstellen haben für den Islam keine Bedeutung, dagegen haben die häufigen Widersprüche innerhalb des Korans schon Mohameds Gefolgsleute irritiert. Es ist seitdem im Islam üblich, bei widersprüchlichen Stellen im Koran die zeitlich letzte als gültig zu betrachten.


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